|
Phenylbutazon:
(Ambene Fertigspritze) ist
durch eine hohe Allergie und Agranulozytoserate (Johannes Ring
(1988) Angewandte Allergologie S.157.158 WMV-Verlag) und das Risiko
der Abszessbildung am Injektionsort belastet (Austria-Codex 2003/4)
und sollte deshalb nicht mehr zum Einsatz kommen.
Pharmainformation April
1987:
Phenylbutazon,
Oxyphenbutazon:
Bei beiden Substanzen ist neben der analgetischen Wirkung vor
allem die starke antiphlogistische Wirkungen interessant. Die
Risiko-Nutzen-Abwägung dieser Substanzen wurden 1984
aktualisiert, als bekannt wurde, daß ihre Verwendung zu
mindestens 1030 Todesfällen geführt hatte. Als Ursache standen
Blutbildschäden (aplastische Anämien und Agranulozytosen),
Magen-Darm-Blutungen und seltener eine Hepatitis im Vordergrund
(11). Auch hier ist wieder die Frequenz schwierig zu bestimmen.
Zwei Studien sprechen von einem Todesfall durch Blutbildschäden
pro ca. 30.000 Verwendungen (12, 13). In der oben zitierten
Boston-Studie (4) wurde ein Fall von aplastischer Anämie
(Mortalität ca. 50%) pro ca. 150.000 Patienten erfaßt. Auf jeden
Fall haben diese Daten zu einer erneuten Diskussion über die
Risiko-Nutzen-Verhältnisse geführt und zahlreiche Maßnahmen und
Indikationseinschränkungen bewirkt. Für Oxyphenbutazon (Tanderil:
bis 1984) hat die Firma Geigy sich zur Zurückziehung
entschlossen, nachdem trotz Einschränkung der Indikation der
Absatz nicht (!) entsprechend zurückging. Phenylbutazon (Butazolidin;
Tomanol: plus Isopropylaminophenazon, Ambene N: plus
unzweckmäßige Vitaminzugabe) soll nur als Mittel zweiter Wahl (für
Mittel erster Wahl siehe nächste Pharmainformation) gegeben
werden, und zwar bei aktiver, ankylosierender Spondylitis (M.
Bechterew), akuter Gichtarthritis, aktiver rheumatischer
Polyarthritis und aktivierter Arthrose, wenn andere Mittel nicht
wirksam sind ; also sicherlich nicht mehr als Routinemittel bei
radikulären Schmerzen (z. B. "Ischialgie"). Es gibt vor
allem auch Stimmen, die für einen völligen Verzicht auf diese
Mittel eintreten. In Norwegen z. B. wurde die Registrierung
bereits 1984 entzogen (14). Kombinationen von Butazolidin mit
Cortison (Ambene, Delta-Tormanol B12) sind nicht zweckmäßig,
da sie z. B. das Magenulcusrisiko einschließlich der Perforation
erhöhen (15). Diese Mittel wurden in der Bundesrepublik
Deutschland bereits zurückgezogen, und es ist zu hoffen, daß
dies auch in Österreich endlich geschieht. Weitere
Pyrazolderivate sind Mofebutazon (Monobutyl), Feprazon (Zepelin),
Kebuzon (Ketazon) und Azapropazon (Prolixan). Die
Nachteile dieser zum Teil neueren Substanzen sind, daß man über
die Schwere und Häufigkeit ihrer Nebenwirkungen relativ wenig weiß.
Für Azapropazon z. B. sollen Blutbildschäden seltener sein (1)
dafür ist diese Substanz durch Photosensibilisierung belasteter
(8). Feprazon (Zepelin) ist auf Grund englischer
Statistiken (15a) häufig durch schwere Nebenwirkungen belastet
und wurde in England bereits zurückgezogen (15a). Bis zum
Vorliegen von überzeugenden Daten, daß die anderen Präparate
weniger durch Blutbildschäden und andere schwerwiegende
Nebenwirkungen belastet sind, sind sie mit der gleichen Zurückhaltung
wie Butazolidin zu behandeln und eher nur als Mittel zweiter Wahl
einzusetzen. Besonders gilt dies natürlich für Kombinationen mit
allen möglichen Analgetica, Cortison oder Venenmittel (Mofebutazon:
Clinit, Buta-Lyseen Hommel, Phlebiven forte Drg.; Kebuzon: Rheumesser,
Azapropazon: Algo-Prolixan). Es erscheint einfach nicht
annehmbar, daß wir bei jedem einzelnen Pyrazolderivat von neuem
erst nach Todesfällen von einer verbreiteten Verwendung über
eine strengere Indikation letztendlich zum Rückzug der Präparate
kommen.
Abschließend sei wieder einmal auf die gerade für
Pyrazolderivate typischen Schäden (Ischiadicuslähmungen,
Nebenwirkungen bei versehentlicher i. a. Injektion) bei nicht sehr
sorgfältiger i. m. Injektion (16) und auf die Wechselwirkung mit
anderen Pharmaka (Verdrängung aus der Plasmaeiweißbindung und in
der Folge lebensgefährliche Blutungen bei Antikoagulantien und
hypoglykämischer Schock bei oralen Antidiabetica) hingewiesen
Überdies ist die fixe
Kombination mit Vitamin B abzulehnen:
Pharmaniformation Juni 2004:
Vitamin
B-Zusatz zu Analgetika
Seit vielen Jahren gibt es Kombinationspräparate von Analgetika
mit Vitamin B, insbesondere mit der Indikation neuropathische
Schmerzen. Im Jahre 1994 hat eine Monographie des Deutschen
Bundesgesundheitsamtes festgestellt, dass kein ausreichendes
wissenschaftliches Erkenntnismaterial für den positiven Beitrag
von Vitamin B1, B6 und B12 in der Kombination mit Diclofenac
vorliegt (10). Erfreulicherweise sind parenterale Kombinationspräparate
von Diclofenac und Vitamin B bereits vom Markt verschwunden, die
bei offensichtlich fehlendem Nutzen der Vitamin B-Zugabe mit dem
Risiko des anaphylaktischen Schocks durch parenterale Gabe von
Vitamin B belastet waren. Es verbleiben unzweckmäßige orale
Kombinationspräparate (Ambene, Diclovit, Dolonerv,
Doloneurobion, Neurofenac, Rheumesser, Sigmalin B6), für die
eine bessere Wirkung gegenüber dem Schmerzmittel als Monopräparat
nicht belegt erscheint.
Zusammenfassend können
wir feststellen: Eine zusätzliche Gabe von Vitaminen ist heute
nur bei belegtem Nutzen zu vertreten. Andernfalls ist nicht nur
kein Nutzen, sondern in einigen Fällen sogar ein Schaden zu
erwarten.
Propion- und Essigsäure Derivate
sind vergleichsweise besser
verträglich. Das niedrigste Blutungsrisiko im Vergleich zu Placebo
zeigten Ibuprofen (2fach) und Diclofenac (4fach).
Deutlich höhere Risiken
werden für Indometacin (11fach)
und das Oxicam Piroxicam (14fach) gefunden. Es zeigt sich ein
Zusammenhang zwischen Halbwertszeit und
Ulkusrate, Präparate mit langer HWZ haben deutlich mehr
Nebenwirkung, entsprechend negativ ist auch die Bewertung von
Tenoxicam ( Tilcotil) mit einen Halbwertszeit von 70 Stunden im
Vergleich zu Ibuprofen mit einer HWZ 1-2 Std.
I Halbwertszeit in Stunden,
II schweren Nebenwirkungen pro Million Verschreibungen
|
|
I
(HWZ)
|
II
|
|
Ibuprofen (Brufen)
|
(1-2)
|
13,2
|
|
Diclofenac (Präparate
sieheText)
|
(1-2)
|
39,4
|
|
Ketoprofen (Profenid)
|
(1-2)
|
38,6
|
|
Indomethacin (Präparate
siehe Text)
|
(4)
|
-
|
|
Flurbiprofen (Froben)
|
(4)
|
35,8
|
|
Diflusinal (Fluniget)
|
(10)
|
47,2
|
|
Naproxen (Proxen)
|
(14)
|
41,1
|
|
Fenbufen (Lederfen)
|
(15)
|
69,4
|
|
Sulindac
(Clinoril)
|
(18)
|
54,3
|
|
Azapropazon
(Prolixan)
|
(20)
|
87,9
|
|
Piroxicam
(Felden)
|
(35)
|
68,1
|
Menfenaminsäure (Parkemed) zeichnet sich
durch eine starke analgetische Wirkung aus. In der antirheumatischen
Therapie sind sie vor allem aufgrund der häufigen Magen-Darm-Störungen
Mittel zweiter Wahl (Transparenztelegramm, ATI
Arzneimittelinformation, Berlin 1985/1986).
Nimesulid (Aulin)
Pharmainfo 10.2001 :
Eine
Ausnahme in Richtung COX-2-Selektivität ist Nimesulid (Aulin,
Mesulid), das vor der Unterscheidung in COX-1- und
COX-2-Inhibitoren allerdings nur in wenigen Ländern zugelassen
war. Dessen Selektivität in der klinischen
Anwendung ist aber
keinesfalls in großen klinischen Prüfungen mit hoher
statistischer Aussagekraft gezeigt,
In Folge der Entdeckung dass
es zwei unterschiedlich exprimierte Isoenzyme der Cyclooxygenase
gibt ( COX–1 und COX–2) konnten die unterschiedlich starken
gastrointestinalen Nebenwirkungen der COX-2 Selektivität bzw der
COX-1 Akitivität der verwendeten Präparate zugeordnet werden.
Diclofenac wurde als schwach präferentieller COX-2 Inhibitor
identifiziert
Meloxicam
Als präferentieller COX-2
Inhibitor wurde Meloxicam (Movalis) 1996 zugelassen welches COX-2
zwei- bis dreifach stärker hemmt als COX-1. Die gastrointestinalen
Nebenwirkungen unterschieden sich aber nur geringfügig von
Diclofenac
Rofecoxib
(Vioxx)
hatte eine 35-fache COX-2 Selektivität, die
gastrointestinalen Nebenwirkungen
zeigten eine Ulcusinzidenz wie bei Placebo. Allerdings zeigte
sich, dass auch selektive COX-2 Hemmer die Abheilung bestehender
Ulcera verzögerten, da die Wundheilung COX-2 gesteuert ist. Weiters
zeigte sich, dass COX-2 Rezeptoren auch
die renale Filtrations und Elektrolytregelung
steuern, und somit das bei NSAR gefürchtete Nierenversagen
bei Salzüberladung und Exsiccose auch von Vioxx und Celebrex
verursacht werden kann.
( Rainer H. Böger, Gerhard
Schmidt (2003) Antirheumatika und Antiphlogistika.S.: 304 –307 Arzneiverordnungsreport 2003 Springer)
Pharmainformation Oktober
-2001:
NierenfunktionDie
Hemmung der homöostatischen Prostaglandin-Antwort stellt die häufigste
unerwünschte Wirkung von NSAID auf die Nierenfunktion dar. Die
bisherige Datenlage weist darauf hin, dass Salzretention, Ödeme
und Hypertonie unter Coxiben mit ähnlicher Inzidenz wie unter
anderen NSAID auftreten
Die Auswertung der
VIGOR-Studie ergab
eine mögliche Zunahme cardiovaskulärer Ereignisse:
Pharmainformation Dezember
2001:
Eine
nachträgliche Auswertung von VIGOR und CLASS hat für Rofecoxib
eine signifikant höhere Inzidenzkardiovaskulärer Ereignisse
(Myokardinfarkt, Schlaganfälle, Todesfälle) ergeben als für das
VergleichsNSAID.Für beide Coxibe waren
Myokardinfarkte bei Vergleich mit einer großen historischen
Placebogruppe aus einer Studie zur Primärprävention mit ASS
signifikant häufiger (19). Da kardiovaskuläre Ereignisse in
bisherigen Prüfungen aber kein prospektiv definierter Endpunkt
waren, ist angesichts dieser nachträglich erhobenen Daten eine
klinische Prüfung mit diesem vorher festzulegenden Endpunkt nun
dringend erforderlich! Erklären lässt sich ein mögliches
kardiovaskuläres Risiko der Coxibe durch Hemmung der
COX-2-vermittelten Produktion von Prostacyclin, ein im Endothel
gebildetes vasodilatatorisches und antithrombotisches
Prostaglandin. Es wirkt dem in Thrombozyten unter COX-1-Einfluss
gebildeten Thromboxan A2, welches zu Plättchenaggregation und
Vasokonstriktion führt, entgegen. Dieses mögliche
prothrombotische Risiko von COX-2-Inhibitoren ließe sich
durch gleichzeitige Gabe von niedrig dosierter ASS verhindern
(ASS hemmt die COX-1-abhängige Bildung von Thromboxan A2). ASS
auch in niedriger Dosierung ist in Kombination mit
COX-2-Inhibitoren aber kontraindiziert, da sie das Risiko
gastrointestinaler Störeffekte erhöht. Aus diesem Grund und
da das kardiovaskuläre Risiko der Coxibe unsicher ist, sollten
diese, solange keine eindeutigen Daten vorliegen, an
Patienten/innen mit kardiovaskulären Erkrankungen nicht
verabreicht werden.
Wegen 4fach häufigerer
cardiovaskuläere Ereignisse unter Vioxx erfolgte 2004 weltweit die
Marktrücknahme.
Pharmainformation November
2004:
Vor
kurzem wurde der COX-2 Hemmer Rofecoxib (Vioxx)
weltweit vom Markte genommen. Wir haben in der Pharmainfo
XVI/4/2001 die COX-2 Hemmer besprochen. Positiv bewertet wurde die
Reduktion gastrointestinaler Nebenwirkungen durch diese
Medikamente im Vergleich zu den bisherigen NSAID. Kritisch wurde
aber auf die erhöhte Inzidenz kardiovaskulärer Ereignisse,
insbesondere in einer Studie mit Rofecoxib,
hingewiesen. Basierend darauf wurde festgestellt: "Erklären
lässt sich ein kardiovaskuläres Risiko der Coxibe durch Hemmung
der COX-2 vermittelten Produktion von Prostacyclin, einem
antithrombotischen Prostaglandin. Coxibe
sollten bei Patienten/innen mit kardiovaskulärer Erkrankung nicht
verwendet werden. Eine klinische Prüfung bezüglich des Endpunktes kardiovaskulärer
Ereignisse ist dringend erforderlich". Für Vioxx
ist diese Prüfung erfolgt. Das Ergebnis war: Pro ca. 130
Patienten/innen, die ein Jahr mit Vioxx
behandelt wurden, trat zusätzlich ein kardiovaskuläres Ereignis
(einschließlich Herzinfarkt und Schlaganfall) auf. Wir verzichten
auf eine Hochrechnung auf die ca. 2 Millionen Patienten/innen, die
Vioxx
eingenommen haben.
Für die anderen COX-2 Hemmer
(Celecoxib: Celebrex; Valdecoxib: Bextra;
Parecoxib: Dynastad; Etoricoxib: Arcoxia)
sind nun ebenfalls entsprechende Studien notwendig. Bis
diese vorliegen gilt, dass bei Risikopatienten/innen für
kardiovaskuläre Erkrankungen auch andere Coxibe derzeit,
insbesondere bei Langzeittherapie, schwer zu vertreten sind
(siehe auch NEJM 351,1709,2004). Eine zusätzliche Gabe von
Acetylsalicylsäure löst dieses Problem nicht, da durch diesen
Zusatz die Reduktion gastrointestinaler Nebenwirkungen durch COX-2
Hemmer wieder aufgehoben wird (siehe Pharmainfo XVI/4/2001). Es
gibt keine zwingende Indikation für Coxibe, da eine niedere Rate
gastrointestinaler Nebenwirkungen auch mit der Kombination bewährter
NSAID (auch zusätzlich mit Acetylsalizylsäure) und
Protonenpumpenblockern erzielt werden kann.
Ibuprofen hebt den kardioprotektiven Effekt
von ASS auf !
2001 wurde eine
Kohortenstudie an mehr als 7000 britischen Patienten publiziert,
Ibuprofen + ASS versus ASS allein:
erhöhte Gesamtsterblichkeit
(RR 1.93; 95% CI 1.30-2.87) und erhöhte kardiovaskuläre
Sterblichkeit (RR 1.73; 95% CI 1.05-2.84). Unter Diclofenac + ASS
zeigte sich dieser Effekt nicht! Als Ursache wird eine Interaktion
der beiden Mittel an den nahe beieinanderliegenden Bindungsstellen
der Cyclooxygenase 1 angesehen. (
AT 12/2004, S.:140)
Diclofenac:
Dosierung:
initial 100-150mg, maximal 200mg über einige Tage, Kinder ab 6
–2 mg/Kg/Tag
Halbwertszeit:
1-2 Stunden
Resorption:
oral vollständig, rectal keine Herstellerangaben, selbe
Dosisempfehlungen 50%?,
perkutan:
ca 6% okklusiv bis zu
ca 18%
maximale
Plasmakonzentration: oral nach 2 Stunden, rectal nach 1 Stunde
maximale
Konzentration in der Synovia: 2 Stunden nach
max. Plasmakonzentation höher als im Plasma bleibt bis zu
11 Stunden höher als im Plasma
Der
Wirkstoff wird während der 1. Leberpassage zu 50% metabolisiert
dadurch höhere Verfügbarkeit
bei parenteraler Gabe!
Elimination:
60% renal, 40% über die Leber. Bei Kreatinin-Clearance <
10ml/min 4fache Plasmakonzentration
Vergleich:
Naproxen 95% renale Elimination
KI: Kreatinin-Clearance < 20ml/min
Bei
stabilem Serumkreatinin kann die Kreatinin-Clearance geschätz
werden:
(140
– Alter) x Körpergewicht ( x 0.85 bei Frauen)
72
x Serumkreatinin
Applikationsart der NSAR:
Die intramuskuläre
Injektion von NSAR, auch beim Ausweichen von Ambene auf
Diclofenac-Präparate bietet keine Vorteile gegenüber der oralen oder rectalen
Applikation, da gastrointestinale Nebenwirkungen nicht durch den
Kontakt Medikament – Magen sondern über die Hemmung der Prostaglandin COX-1 -
gesteuerten Magenschleimproduktion
erfolgen.
arznei -telergramm 8/97
Zur
intramuskulären Injektion nicht steroidaler Antirheumatika:
Nicht
steroidale Antirheumatika (NSAR) sollen akute Schmerzen schnell
lindern. Damit der Wirkstoff rasch anflutet, hat man lange Zeit
intramuskuläre (i.m.) Injektionen bevorzugt. Nach parenteraler
Anwendung von Diclofenac und anderen NSAR besteht jedoch eine
besondere Gefährdung durch Schockreaktionen (vgl. a-t 11 [1994],
109) 1 [1989], 5). Auch sulfitfreie Zubereitungenn
sind betroffen. Die Arzneimittelkommission der Deutschen Ärzteschaft
schätzt das Risiko auf 1 : 400.000, bei Einnahme oder rektaler
Anwendung um ein Vielfaches niedriger. Die i.m.-Injektion kann
zudem mit Nervenschäden, versehentlicher intrarterieller
Injektion, Hämatomen, Nekrosen, Abszessen und Sepsis einhergehen
(a-t 9 [1995], 95). In-vitro Untersuchungen deuten auf eine mögliche
Schwächung der Immunabwehr durch NSAR hin, die lokale Infektionen
begünstigen kann. Auf die i.m.Injektion kann meist verzichtet
werden. Maximale Plasmakonzentrationen sind nach Einnahme einer wässrigen
Diclofenaclösung (dispersible Tabletten, ab 20 Minuten) praktisch
genauso schnell erreicht wie nach i.m.-Gabe (15 Minuten). Daher lässt
sich auch die einmalige Injektion zur Therapieeinleitung, (nach
vorheriger Aufklärung, über die Risiken) nur rechtfertigen, wenn
die Einnahme nicht möglich ist (z.B. bei Erbrechen) oder vom
Patienten abgelehnt wird. Es empfiehlt sich, schriftlich zu
dokumentieren, warum man vom Behandlungsstandard abweicht. Ein
Notfallbesteck soll bereitstehen. Der Patient ist nach der
Injektion mindestens eine Stunde zu überwachen (ECKARDT, A. et
al.: Akt. Rheumatol.
22 [1997], 117/ati d).
Allergie:
Neben den gastrointestinalen
Nebenwirkungen sind allergische Reaktionen die häufigste unerwünschte
Arzneimittelwirkung.
„Die
Applikationsart spielt eine wesentliche Rolle für die
Sensibilisierungshäufigkeit: Das Risiko einer Allergieentstehung
nimmt mit folgender Reihenfolge zu:
oral
< intravenös < intramuskulär < subkutan < topisch.“
(Johannes
Ring (1988) Angewandte Allergologie S.213 WMV-Verlag)
Nach topischer Applikation
von 2.5g Voltaren Emulgel pro 500cm2 Haut werden etwa 6% der
Diclofenacdosis resorbiert. Durch Okklusionsverband während 10
Stunden erhöht sich die Resorption um das 3fache.(Herstellerangaben
im Austria – Codex 2003/4)
Die im Gewebe gefundenen
Konzentrationen hängen wesentlich von den Diffusionsstrecken ab, so
sind in oberflächennahen Geweben z.B. im Bereich der Fingergelenke
hohe Konzentrationen gefunden worden.
Ebenso wurden im Bereich des
Kniegelenkes deutlich höhere Diclofenacspiegel in der Haut
und in der Muskulatur als im Plasma gemessen, während die
Konzentration in der Synovia dem Plasmaspiegel entsprachen und auch
keine Unterschiede zwischen behandeltem und kontralateralem
Kniegelenk bestanden. (
Rainer H. Böger, Gerhard Schmidt (2003) Antrheumatika und
Antiphlogistika. S.: 318 Arzneiverordnungsreport 2003Springer)
In
tiefen Strukturen
wie Hüftgelenk oder Wirbelsäule ist bei
topischer Anwendung von
NSAR lediglich 1% Wirkstoffkonzentration im Vergleich zur oralen zu
erwarten. (Austria – Codex 2003/4
Herstellerangaben Voltaren Emulgel )
Die orale Therapie ist somit 1. Wahl,
wenn damit nicht das
Auslangen gefunden werden kann, ist die Infusionsbehandlung
indiziert. I.m. Injektionen sind demgegenüber mit
höheren Risiken behaftet, s.o.
Topische Anwendung ist nur
gerechtfertigt wenn die zu behandelnde Struktur in
„Reichweite“ der
Salbe liegt, wegen der Risiken der Allergisierung sollte man
Patienten von der beliebten Salbenanwendung
bei Hüftgelenksbeschwerden o.ä. ( 1% Wirkung gg oraler Th)
abraten!
| Zusammenfassung:
|
|
Die
orale Therapie ist 1. Wahl
Parazetamol
hat weder Magen noch Nierenrisiken und sollte primär versucht
werden.
NSAR
mit kurzer HWZ haben ein deutlich geringeres Magen-Risiko
COX 2
selektive NSAR sollten wegen des kardiovaskulären Risikos nicht
verordnet werden
Diclofenac
bietet sich mit relativ günstiger Nutzen – Risiko –
Relation als Universalmittel an
Ibuprofen
ist noch besser
magenverträglich sollte aber Patienten die eine Indikation für
Plättchenaggregationshemmer haben nicht verordnet werden.
Naproxen
ist zur
Prophylaxe der periprothetischen Verknöcherung bei Hüft-TEP
indiziert
|
| Anhang:
Stufenschema Schmerztherapie & Magenschutz
|
|
Ist mit NSAR allein keine
ausreichende Schmerzlinderung zu erreichen, kombiniert man nach
dem Stufenschema der Schmerztherapie der WHO
1.)
NSAR + Adjuvantien ( Magenschutz, Muskelrelaxantien,
Kortison )
2.)
NSAR + Adjuvantien + schwache Opioide ( Tramandol oder
Codidol)
3.)
NSAR + Adjuvantien + starke Opioide
( Vendal...)
Risiken der
Adjuvantien:
Kortison + NSAR erhöhen
das Magenblutungsrisiko, auf keinen Fall kombiniert i,m. wegen
lokalen Infektrisikos
Muskelrelaxantien:
vom Diazepintyp Abhängigkeits-Risiko
, Patienten die Benzodiazepine zum Schlafen einnehmen haben ein
100% höheres Risiko für Schenkelhalsbrüche! |
|
Magenschutz
unter NSAR: |
|
Bei Patienten mit Ulcusanamnese und bei Patienten über
65 wird insbesondere bei längerer NSAR-Gabe ein prophylaktischer
Magenschutz
|
|
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|
|