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Kufner P, Fischer C
Im November 2006 ist im NEW
ENGLAND JOURNAL of MEDICIN einausgezeichneter Übersichtsartikel
erschienen. Diesen geben wir zusammengefasst in deutscher Sprache
wieder, hier finden Sie einen Link zum englischen
Volltext.NEJM 2006
Fallbericht:
40jähriger
Mann, keine Vorerkrankungen der Lunge,
berichtet seit 7 Tagen über Husten, leichte Kurzatmigkeit,
jetzt sei eitriger Auswurf hinzugekommen. Keine Stakkato-Hustenanfälle,
kein Asthma, kein Diabetes, keine Gerinnungsstörungen, Kontakt mit kranken
Personen. Normaler Allgemeinzustand,
Temperatur 37°, Puls 84, normale Atemgeschwindigkeit,
keine klingenden RG´S, vereinzelt Giemen an der Lungenbasis.
Wie
soll er untersucht und
behandelt werden?
Klinische Fragestellung:
„Akute Bronchitis“ ist
ein klinischer Terminus und beschreibt eine selbstlimitierende Entzündung
der großen Atemwege mit Husten ohne Pneumonie. Die Erkrankung befällt
ungefähr 5% der Erwachsenen jährlich, vorwiegend im Winter. Man
nimmt allgemein an, dass Viren die Auslöser der akuten Bronchitis
sind, wenngleich sie nur bei einem Teil der Erkrankten nachgewiesen
wurden: Influenza A und B, Parainfluenzavirus, Respiratory syncytial
Virus, Coronaviren, Adenoviren und Rhinoviren.
Bei einer kleinen Anzahl von
Patienten mit akuter Bronchitis konnten typische bakterielle
Pneumonieerreger nachgewiesen werden, allerdings zeigte sich in den
durchgeführten Biopsien keine Infiltration der Bronchialwände,
so dass die Rolle der nachgewiesenen Bakterien unklar
bleibt. Auch atypische Pneumonie-Erreger konnten gefunden
werden: Bortadella pertussis, Chlamydia pneumoniae und Mycoplasma
pneumoniae. Die Bedeutung des Keuchustenerregers ist ebenso unklar:
ältere Daten sprechen von Vorkommen bei 13-32%
der Patienten die länger als 6 Tage husten, eine
neuere prospektive, und damit hochwertigere Arbeit,
findet lediglich 1%.
Pathophysiologie:
Die akute Bronchitis ist eine
Entzündung der Bronchialschleimhaut. Dabei verdickt sich das entzündete Epithel durch lymphozytäre Infiltration
und schilfert sich bis zur Basalmenbran ab. Im wesentlichen
beschränkt sich die Entzündung auf die großen unteren Atemwege.
Die Wandverdickung spielt auch eine Rolle bei der Verschlechterung
von Asthma bei der akuten Bronchitis.
Verlauf:
Während der ersten paar Tage
der Erkrankung unterscheiden sich die Symptome der akuten Bronchitis
nicht von denen einer milden Infektion der oberen Atemwege ( in der
klinischen Terminologie oft als
„banaler Atemwegsinfekt“ bezeichnet)
Bei der akuten Bronchitis
besteht der Husten länger als 5 Tage. Bei 40 % wird eine
verminderte Lungenfunktion oder eine bronchiale Hyperreagibilität
gemessen, die sich im Laufe von 5-6 Wochen wieder bessert.
Die Dauer des Hustens beträgt
10-20 mit einem Mittel von 18 Tagen, fallweise auch 4 und mehr
Wochen. Bei 50% tritt ein purulentes Sputum auf. Bei sonst Gesunden
entsteht gelb-grüner Auswurf durch Desquamation ( Abschilferung) des
Bronchialepithels, sein positiv prädiktiver Aussagewert für eine
alveoläre Beteiligung ist gering ( schätzungsweise 10%)
Die späteren Auswirkungen
einer akuten Bronchitis auf die Lunge
sind unklar. In einer Arbeit suchten 20% der Erkrankten
ihren Arzt wegen Fortbestand der Beschwerden nach einem Monat ein zweites mal auf. In einer Arbeit wurde
bei 34% der Erkrankten in weiterer Folge eine chronische Bronchitis
diagnostiziert, eine weitere Arbeit fand bei 65% der Patienten mit
wiederkehrenden Episoden von akuter Bronchitis durch Spirometrie oder
Provokation mildes Asthma. Keine dieser Arbeiten hatte eine
Kontrollgruppe, so dass nicht gesagt werden kann ob die akute
Bronchitis fallweise in eine chronische
Bronchitis übergeht, oder ob die Veranlagung zur COPD bereits vor
der Erkrankung bestand.
Diagnose:
Die akute Bronchitis muss von
Erkrankungen der kleinen Atemwege (Bronchiolitis, Pneumonie), Asthma
und chronischer Bronchitis abgegrenzt werden.
Verdächtig sind: Anhaltendes Fieber, zunehmender Husten,
giemend pfeifender Atem, erhöhte Atemfrequenz, Atemnot, Hypoxämie
und Tachycardie. Das fehlen dieser Symptome spricht eher für eine
Bronchitis, wen auch die Lungenauskultation weder klingenden
Rasselgeräusche noch Bronchophonie
ergibt, ist eine Pneumonie weitestgehend auszuschließen und eine
weitere Diagnostik nicht erforderlich. In diesen Fällen kann auch
auf ein Thorax Röntgen verzichtet werden (s. Summary and
Recommendations)
Bei Patienten älter als
75 Jahre können diese Warnsymptome jedoch fehlen!
Bei Patienten >75a mit „community-acquired
pneumonia“ hatten nur 30% Fieber über 38°
und nur 37% eine Herzfrequenz über 100.
Behandlung:
Antibiotika
verringern die Krankheitsdauer und Intensität in kontrollierten
Studien nicht relevant
Arzneitelegramm 8/2005 S: 72
und werden daher nicht empfohlen.
Antivirale Therapie
z.B. mit Oseltamivir (Tamifluâ)
ist nur bei nachgewiesener Influenzaepidemie zu erwägen. Allerdings
wird eine geringe Krankheitsverkürzung von 1 bis 1.5 Tagen mit
schwer abschätzbaren Behandlungsrisiken und hohen Kosten erkauft: In
Japan wurden 12 Todesfälle bei Kindern, insbesondere in Folge
psychischer Auffälligkeiten berichtet, eine Senkung der
Grippe-Mortalität ist aber weder für Kinder noch für
Risikopatienten bisher belegt. Blitz-a.t 18.Nov.2005
ß-Mimetika:
Bei Patienten ohne Asthma sind keine Vorteile belegt, die
Nebenwirkungen auf das Herz rechtfertigen deshalb den Einsatz nur bei
bestehender Obstruktion. Vom Zusatz von Anticholinergika zu ß-Mimetika
z.B. Berodualâ
ist abzuraten, kurz wirksame Monopräparate wie Salbutamol (Sultanolâ)
sind 1. Wahl.
Schleimlöser, Antitussiva:
es gibt keine klinischen Studien die Vorteile belegen. Als
Nebenwirkung sei auf die Hemmung der Diaminoxydase ( Histaminabbau)
durch Acetylcystein und Mucosolvanâ
aufmerksam gemacht.
Steroide:
auch dazu gibt es keine Studiendaten, die Autoren
halten aber
den inhalativen Einsatz bei lange bestehendem Husten für vertretbar.
Schlussfolgerung:
Der vorgestellte Patient
leidet an einer akuten Bronchitis, eine antibiotische Behandlung ist
nicht indiziert. Da
keine klinischen Anzeichen einer Pneumonie vorliegen ist ein Thorax-Röntgen
nicht erforderlich. Da
in der Umgebung des Patienten kein Asthma, kein Diabetes, und kein
Hinweis auf eine Influenzaepidemie besteht ist weder ein
Virusnachweis noch eine antivirale Therapie indiziert, zumal der
Patient afebril ist! Keuchhusten ist unwahrscheinlich, sollten im
weiteren Verlauf noch Stakkato-Hustenanfälle mit Würgreiz oder
Erbrechen hinzukommen, wäre eine Blutuntersuchung auf Pertussis
sinnvoll, und bei positivem Befund der Patient über eine mögliche
Dauer des Hustens von 6 Wochen aufzuklären.
Für die milde Atemnot wird
ein Salbutamol-Spray empfohlen. Auf der Basis klinischer Erfahrungen könnte
man dem Patienten Codein als symptomatische Therapie anbieten.
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