Gibt es einen belegten Nutzen der Influenzaimpfung?
 
„Kurz und bündig“
 

Influenza: Erkrankungsrisiko: Patienten: ca 5%, Kontaktpersonen 7,4% Ärzte ca 14%

Impstoff der 1. Wahl:  Spaltimpfstoffe: Begrivac, Vaxigrip
Responderrate: ca 90%
Number needet to treat ( NNT):

zur Verhütung eines Krankheitsfalles: 22 Patienten,  ca 8 Ärzte

zur Verhütung eines Todesfalles in der Risikogruppe ( siehe Indikationen) : ca 3000 *

Number  needet to harm ( NNH):

Lokalreaktion Injektionsstelle: 6

Guillain-Barre-Syndrom ( GBS) reversibel 100.000 tödlich 1.000.000*

Indikationen: Senioren, Herzkranke, COPD, Diabetiker, medizinisches Personal
Kontraindikation: Hühnereiweißallergie
* diese Zahlen basieren auf Schätzungen, NNT Todesfälle errechnen wir: 30% der österreichischen Bevölkerung fallen ca in die Impfindikation, 1000 direkte oder indirekte Todesfälle in Österreich jährlich liegt in der Mitte der verschiedenen Angaben von 120-6000
 
Wer´s genauer wissen will:
Vor allem Kinder und junge Erwachsene erkranken an Influenza. Dennoch brauchen diese normalerweise nicht gegen Virusgrippe geimpft zu werden. Das Risiko, an einer Influenzainfektion zu sterben, steigt mit zunehmendem Alter. Nach britischen Daten ist das Risiko mit 0,4 Todesfällen pro Million  Personen für Fünf- bis Vierzehnjährige am geringsten. Danach steigt es kontinuierlich bis auf durchschnittlich 310 pro Million  bei Personen über 75 Jahren.
Das „Arzneitelegramm“ liefert in der Ausgabe 11-2004 dazu eine umfangreiche Analyse:
Altersheimbewohner:  n: 30.000 Metaanalyse 20 Kohortenstudien

Pneumonie relative Risikoreduktion(RR)  53%   (95%CI 35-66%)

Krankenhauseinweisung RR 50%   (95%CI 28-65%)
Mortalität RR 63%    (95 CI 56-76%)
Reduktion der Sterblichkeit  in geriatrischen Kliniken  durch Impfung (Pat. n: 749)der Mitarbeiter 13,6 % versus 22,4% in Kliniken ohne Influenzaimpfung des Personals  ohne Impfung  (Pat.n:688)  randomisierte Studie in insges 20 KH
COPD-Patienten n: 1.900 Kohortenstudie 
KH-Aufenthalte  wegen Pneumonie und Influenza RR  52%  (95%CI 18-72%)
Mortalität  RR 70%  (95%CI 57 – 79%)
Diabetiker: n: 240 Fallkontrollstudie
Krankenhauseinweisung wegen Atemwegsinfekt oder Diabeteskoplikation RR 80% (95%CI 19-95%)
Patienten mit frischem Myocardinfarkt: plazebokontrollierte Studie n.305
Cardiovaskuläre Mortalität  nach 6 Monaten 2 versus 8% nach 12 Monaten 6 versus 17%
Impfung von Ärzten und Pflegepersonal  randomisiert kontrollierte Studie  n: 264
Reduktion serologisch nachgewiesener Influenzainfektionen
Influenza A 8,9 versus 1,1%   Influenza B 5,0 versus 0,6%
Schlecht belegt ist der Nutzen der Influenzaimpfung bei Asthma, und gesunden Erwachsenen.
Bei Kindern ist zwar eine Reduktion von Influenza, nicht aber  die Verringerung von schweren Verläufen, Komplikationen und Mortalität belegt.

Häufigkeit von Nebenwirkungen der Influenzaimpfung: siehe „kurz und bündig“

Wie hoch ist das Erkrankungsrisiko bei Kontakt mit Influenzaerkrankten:
Bei Kontaktpersonen von Grippekranken im gleichen Haushalt erkrankten 7,4% Welliver et al (2001): Effectiveness of oseltamivir in preventinginfluenza in household contacts. JAMA 285: 748-754
 
Schlussfolgerung:
bei jungen Menschen ohne zusätzliche Risikofaktoren liegt das Sterberisiko durch Influenza bei ca 0,4 / Million (NNT 2 500 000) und die geschätzte Zahl der tödlichen Impfnebenwirkungen  bei 1 / Million ( NNH 1 000 000), ausgenommen zum Schutz eines Familienmitgliedes mit hohem Sterberisiko sehen wir deshalb keine Indikation.
Bei Angehörigen der Risikogruppen: Senioren, COPD-Patienten, Diabetiker  liegt die NNT bei ca 3 000
 
Influenza-Impfstoff Information

In Österreich  werden derzeit 3 verschiedene Impfstoffgruppen angeboten:

SPALTIMPFSTOFFE: Begrivac, Vaxigrip, ( seit den 80er Jahren an Markt) günstigster Preis!

SUBUNITIMPFSTOFFE: (sog adjuvantierte Impfstoffe):Sandovac, Influvac, Addigrip, Fluad ( weisen gegenüber den Spaltimpfstoffen eine etwas bessere Immunität, aber auch etwas geringere Verträglichkeit auf)

VIROSOMENIMPFSTOFF: Inflexal V ( stärkere Immunität aber auch stärkere Nebenwirkungen)

Fazit: alle  9 am Markt befindlichen Impfstoffe  sind grundsätzlich zuverlässig, im Hinblick auf den günstigeren Preis sind die Spaltimpfstoffe weiterhin Mittel der 1. Wahl.

INDIKATIONEN: ab 6. Lebensmonat
KONTRAINDIKATIONEN: Allergie gegen Hühnereiweiß

Schwangerschaft, banale Infekte, Antibiotikaeinnahme, andere Impfungen, HIV sind  KEINE KONTRAINDIKATIONEN !

( Quelle: H.Sternberger „Kleine Grippeimpfstoffkunde“ 2004)

Ergänzung 
-         bei Prof. Kollaritsch  wird für Kinder Sandovac-(Subunitimpfstoff) empfohlen. Ki. bis zum 3. LJ. erhalten nur die halbe Dosis des Erwachsenen Impfstoffs.
-Bei Arznei Telegramm 2001; Jg 32 Nr.9. " Die vor allem für über 65 -Jährige
zugelassenen sogenannten adjuvantierten Influenza-Impfstoffe Addigrip und Fluad scheinen höhere Antikörpertiter zu erzeugen als die konventionellen Vakzine, aber auch schlechter verträglich zu sein"
     
-   AT 11-2004 : ein klinisch relevanter Vorteil der adjuvantierten Impfstoffe ist trotz höherer Immunogenität nicht belegt.
Bei Virosomenimpfstoffe (Ganzvirusimpfstoffe) meint Prof. Kollaritsch, (www.reisemed.at) besonders gut immunogen, Nachteil: am ehesten mit NW verbunden.