Fallbericht
Magenblutung unter PPI und Plavix
EDITORIAL:
EDITORIAL:Die
Tiroler Gesellschaft für Allgemeinmedizin startet mit dieser 1. Ausgabe
eine mehrmals jährlich erscheinende online-Zeitschrift. Unsere
Zielsetzung ist eine praxisnahe evidenzbasierte Information für
alle interessierten Kollegen. Im Rahmen unserer Möglichkeiten
bearbeiten wir auch gerne Leserzuschriften, und freuen uns über Ihre
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Herausgeber: TGAM
Redaktion 1. Ausgabe: Peter Kufner, , Christoph Fischer,
Estela Diaz-Westreicher
FALLBERICHT: F.W. männlich 73a
DIAGNOSEN:
Bluthochdruck
Z.n. Carotisrekonstruktion li 1997 und Femoralis-Bypass
1998 li
50% -Stenose am ACI- Abgang rechts, Subclavian Steal
Grad I re.
periphere arterielle Verschlußkrankheit Stadium
IIb
COPD, Nicotin - Abhängigkeit
MEDIKATION: Loftyl 300 1/2-0-0, Capozide forte 1-0-0,
Simvastatin 40mg 0-0-1, ThromboASS100 1-0-0, Folsan 0-1/2-0, Ranic
300 0-0-1/2, Spiriva 1-0-0, Singulair 0-0-1,
Bei einer internistischen Kontrolle wegen zunehmender
Dyspnoe wird ein Hb von 4.6 festgestellt, Teerstühle und
Magenschmerzen werden verneint, die Durchuntersuchung ergibt in
der Gastroskopie multiple ulcera duodeni Forrest 2c vermutlich in Folge
der Einnahme von Herzschutz ASS.
3 Ery-Konzentrate, ASS abgesetzt, Pantoloc 40mg
1-0-1, Hb bei Entlassung 10.1g%
Wegen des hohen Gefäßrisikos wird unter hohem
PPI – Schutz Plavix 1x1 verordnet.
Nach 1 Woche berichtet der Pat. neuerlich von
Teerstühlen und Schwindel. Hb 5.9 g% .
Anmerkung: Nach Herstellerangaben wurden in der
CAPRIE-Studie bei Anwendung von Clopidogrel 2% Magen-Darmblutungen,
davon 0.7% KH-.Einweisungen gegenüber 2.7% bzw 1.1% unter ASS
beobachtet.
Nach Absetzen von Plavix sinkt Hb noch 2 Tage auf 5.7
und steigt danach langsam wieder an. Teerstühle sistieren 5 Tage nach
Absetzten ebenfalls.
Der geschilderte Fall lässt vermuten, dass auch unter
höchstem PPI-Magenschutz solche Ereignisse möglich sind!
Gibt es bei vaskulärem Hochrisiko noch Alternativen?
DISKUSSION:
Herbert Tilg ,
Gastroenterologe Interne Abt. KH-Hall :
Kommentar und Fragen:
1) HP-Eradikation bzw. Befund?
2) unter ASS auch Läsionen im gesamten GI-trakt möglich, könnte
zeitversetzt
hier auch passiert sein
3) würde falls Problem unverändert bestehend komplette Evaluierung
GI-trakt
empfehlen; HP- Befund sollte zumindest auf 2 Säulen stehen, Histo
öfters falsch negativ
Hans Winkler, Phamakologe
Uni.IBK
Kommentar:
Plavix kann zwar die Blutgerinnung steigern, hat aber
keinen negativen Einfluss auf die Magen- und Darmschleimhäute. Die
Zugabe von PPI bringt daher im Gegensatz zur Aspiringabe nichts. Es
dürfte sich in diesem Fall um einen Patienten handeln, wo Blutungen
nach einem Thrombozytenhemmer auftreten können, vielleicht wegen
persistierender Ulcera (dies sollte allerdings PPI ausräumen) oder aus
irgendeiner anderen Ursache. Daher wird man wohl ohne ASS und Plavix
auskommen müssen. Dafür dürfte es kaum weiteren Ersatz geben.
Weder die Gabe von Ranic noch von Singulair scheint pharmakologisch
begründbar zu sein.
Peter Kufner, Praktiker
IBK
Anscheinend Risikopatient - Magenenamnese?
C2?, Nikotinkonsum derzeit ? Ernährung -
gibt es zusätzlich zu Clopidogrel bzw. ASS noch
magenschleimhautaggressive Substanzen?
Jedenfalls absolutes Nikotinverbot und allf.
Nahrungsumstellung.
engmaschige Gastroscopie. PPI o. ä. bis zum
Abheilen der Erosionen.
Mb. Crohn ausgeschlossen? HP?
Zollinger Ellison Syndrom?
Befundnachtrag :
Nikotin: seit 16. Lj 20-40 Z, seit
2002 auf 5-6 täglich
eingeschränkt
Alkohol: mäßig
05.11.2004FrWo233 Chir. Hall: Atemtest: Hp neg
Nach Abschluss unserer Fallpräsentation wurde der Pat.
wegen neuerlichem Hb Abfall neuerlich stat. Aufnahmeaufgenommen:
Behandlung und Verlauf: Herr F. W. wird zu weiteren
Abklärung bei neuerlichem BB-Abfall, Hb-Eingangswert 4,6) stat.
aufgenommen. Es erfolgt zunächst die Verabreichung von 2
Erythrozytenkonzentraten und bei ausgeprägter Eisenmangelanämie die
entsprechende i. v. Substitution. In der Abklärung zeigt sich ein
unauffälliger ÖGD-Befund. Die Coloskopie beschreibt im Bereich des
rektosigmoidalen Übergangs zwei Polypen, welche in einer 2. Sitzung
abgetragen werden. Bei klinischer Relevanz wird der entsprechende
histologische Befund, welcher zum Zeitpunkt der Entlassung noch
ausständig ist, nachgereicht. Die von uns durchgeführten Occulttests
sind negativ. Es erfolgt die weitere kapselendoskopische
Untersuchung auf eine mögliche Anämieursache. Diese zeigt mehrere
größere Angiodysplasien im proximalen Dünndarmdrittel, welche wir in
einem weiteren tagesklinischen Aufenthalt des Pat. interventionell durch
Verödung beheben möchten. Diesbezüglich haben wir mit dem Pat.
bereits einen Termin zur Aufnahme vereinbart. Zwischenzeitlich kann der
Pat. in stabilem AZ, bei einem Hb-Anstieg auf 10,3 wieder nach
Hause entlassen werden.
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